Die eiserne Hand
Pfingsten 1519.
»Urfehde schwört! ansonst ich
Euch in den Brummturm setz'«,
Sprach Heilbronns Bürgermeister
Zum Berlichinger Götz.
Zu besserm Nachdruck standen
Den Rathausgang entlang
Weinschröter, Schmied' und Flözer
Mit Haken, Spieß und Stang'.
Doch wie ein Ratsherrnfinger
Den Hinterhalt winkt vor,
Hub grimm der Berlichinger
Die Eisenfaust empor.
Und still ward's auf den Bänken
Und still in Saal und Haus:
In Fingern und Gelenken
Sah sie so schlagbar aus,
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Als wüchsen nächstens Feigen
So saftig und kandiert,
Wie sie noch nie auf Erden
Ein sterblich Ohr geziert.
Derweil klang's wie Trompeten
Vom Neckartor herauf;
Sickingens Reiter trabten,
Und Fußvolk kam im Lauf.
»So seid doch nicht so zornig!«
Sprach jetzt der Magistrat,
»Es kommt in Stadt wie Land vor,
Daß man sich mißverstât.
Wer drohte je mit Brummturm?
Wir bieten Losament
Und laden den Herrn Schwager
Samt Euch zum Traktament.«
»Ah so, liebwerte Nachbarn«,
Sprach Götz, »viel Dank, ich komm'...
Der Teufel soll Euch holen,
Wie seid Ihr plötzlich fromm.
Mir scheint, die Faust von Eisen
Bringt Wunderwerk zuweg:
Wär's ein Glanzleder-Handschuh,
Weiß Gott, wo ich heut läg'!«