[61] An die goldene Feder von Palemon geschenkt
Du, mir aus Händen der Freundschaft
In diese schreibende Hand
Zu langer Dauer gegeben,
Schreib kein unheiliges Lied!
Dich schuf aus glänzendem Erze
Der Schmuck arbeitende Schmid!
Zeus gab nicht unter dem Himmel
Aus einem Vogel dich mir!
Der Strauß, die balzenden Hahnen
Am hohen Brocken im Lenz,
Der Pfau mit prächtigem Rade,
Die alle trugen dich nicht.
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In reichgeseegneter Ader
Trug dich, vor deiner Geburt,
Ein Berg, den Hakken durchwühlen
Gedingt von menschlichem Geiz!
Dich bracht auf stürmischer Welle
Vielleicht ein schwimmendes Haus
Von der barbarischen Küste,
Wo Cannibalen, ein Lied,
Dem Tod im Feuer zu trotzen,
An einem hölzernen Spieß
Noch singen: daß sie gebraten
Des Feindes Brüder auch einst!
O, du mir köstliche Feder!
Dich las ein Mädchen vielleicht
Aus einem Bache voll Goldsand,
Und sagte seufzend dabey:
»Wo bleibt der liebende Jüngling?
O, mir verächtlicher Staub!
Sein Herz im lächelnden Aug
Glänzt mehr, ist theurer als du!«
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So sprach das Mädchen vielleicht
Zu dir noch rohem Metall!
Izt aber bist du gebildet
Für mich zu hohem Gebrauch!
O nur den Göttern und Helden
Zu schreiben diene du mir,
Und göttlich denkenden Freunden
An Tagen ihrer Geburt!
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