678. Der Esel auf Asperg.

Mündlich.


Ein Esel von der Mühle kam mal hinaus, lief seiner Nase nach und verirrte sich im Asperger Rathaus, ging stracks der Gerichtsstube zu und legte sich hinter den Ofen. Wie der Rathausdiener heraufkommt, sprang er wieder davon und meldete, »der Leibhaftige« liege, sage, hinter dem Ofen. Die Schreckensbotschaft kam überall herum, und keiner von den Ratsherrn hatte Mut hinaufzugehen. Bald war ein großer Haufe von Leuten beisammen und jezt wagte man es. Der Esel stand auf und kam hervor; es war Niemand anders als des Müllers Esel. Von da an heißen die Asperger »Esel«, und ich möchte es keinem raten, einen Asperger darauf aufmerksam zu machen, oder aus einem Schurz und Nastuch ein Eselohr zu bilden1.

Fußnoten

1 Der Name »Esel« ist uralter Stichelname für zahllose Ortschaften und ganze Gegenden, ja ganze Länder; wie z.B. die Schlesier seit Jahrhunderten »Eselfresser« heißen. Haupt, Zeitschr. VI. 254. Rochholz A.S. II. 265. Nr. 467. Die Anmerk. S. 268 ff. Nr. 468.

CC-BY-3.0


Rechteinhaber*in
Kolimo+

Zitationsvorschlag für dieses Objekt
TextGrid Repository (2026). Collection 67. 678. Der Esel auf Asperg. 678. Der Esel auf Asperg. Corpus of Literary Modernity (Kolimo+). Kolimo+. https://hdl.handle.net/21.11113/4j8rk.0